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Navigieren auf dem Genfersee: die wichtigsten Regeln

Aktualisiert am 16.10.2026

Ein See, zwei Länder, mehrere Erlasse: Der Genfersee hat sein eigenes schweizerisch-französisches Reglement, ergänzt durch nationale und kantonale Regeln. Hier das Wichtigste, um unter Segel oder Motor ohne böse Überraschungen unterwegs zu sein — mit dem offiziellen Text, der jede Regel festlegt.

Welche Erlasse gelten?

Die Schifffahrt auf dem Genfersee beruht auf einem Abkommen zwischen der Schweiz und Frankreich vom 7. Dezember 1976, dem das Reglement über die Schifffahrt auf dem Genfersee (RNL) beigefügt ist. Es legt die gemeinsamen Regeln für den ganzen See fest: Signalisation, Vortritt, Geschwindigkeiten in Ufernähe, Sturmwarnungen.

Jedes Land fügt eigene hinzu. Auf französischer Seite die allgemeine Polizeiverordnung für die Binnenschifffahrt (RGP) und ein besonderes Polizeireglement für den Genfersee, erlassen von der Präfektur Haute-Savoie. Auf Schweizer Seite die Binnenschifffahrtsverordnung des Bundes (BSV) und die Regeln der Anrainerkantone (Genf, Waadt, Wallis).

An Bord, auf französischer Seite: Bootsführerausweis, Schiffspapiere und die geltenden Reglemente (RNL, RGP und besonderes Reglement), auf Papier oder aufs Telefon heruntergeladen.

Braucht man einen Bootsführerausweis?

In der Schweiz ist kein Bootsführerausweis nötig für Ruderboote, Segelboote bis 15 m² Segelfläche und Motorboote bis 6 kW (für Letztere Mindestalter 14 Jahre), laut dem kantonalen Fahrzeugamt Genf. Darüber braucht es den Ausweis der entsprechenden Kategorie:

KategorieBootMindestalter
DSegelboot14 Jahre
AMotorboot18 Jahre

Das schweizerisch-französische Abkommen sieht vor, dass der Ausweis vom Land des gewöhnlichen Wohnsitzes des Bootsführers ausgestellt wird und auf dem ganzen See gilt, in Schweizer wie in französischen Gewässern.

Die 300-m-Uferzone und die Geschwindigkeiten

Entlang aller Ufer verläuft eine Zone von 300 m. Dort gilt höchstens 10 km/h (etwa 5,4 Knoten): Hier befinden sich Badende, kleine Boote, Wasserpflanzenbestände und Findlinge.

  • In den Häfen: 10 km/h in Schweizer Häfen, sofern an der Einfahrt keine andere Begrenzung angegeben ist; 5 km/h in öffentlichen französischen Häfen.
  • Ausserhalb der 300 m: auf Genfer Gewässern höchstens 30 km/h (Kanton Genf). Auf französischer Seite gibt es ausserhalb der Uferzone keine allgemeine Begrenzung, ausser für gecharterte Hausboote (20 km/h).
  • Badeboote (Pedalos, kleine Schlauchboote…): Sie bleiben in der 300-m-Uferzone.

In der Nähe von Hafeneinfahrten, festgemachten Booten und Wasserpflanzenbeständen reduziert jeder seine Geschwindigkeit, um keine Wellen zu erzeugen — auch ausserhalb der Uferzone.

Wer hat Vortritt?

Die Fahrregeln des RNL lassen sich auf wenige Grundsätze reduzieren:

  1. Kursschiffe mit Vortrittsrecht fahren vor allen anderen. Man erkennt sie tagsüber an einem grünen Ball, nachts an einem zusätzlichen grünen Licht. Alle anderen weichen ihrem Kurs aus.
  2. Mindestens 50 m Abstand halten zu Kursschiffen und, zu Fahrplanzeiten, zu ihrer üblichen Route und ihren Schiffsstationen.
  3. Motor weicht Segel und Ruder. Ein Segelboot unter Motor gilt als Motorboot.
  4. Zwischen zwei Segelbooten: Haben sie den Wind von verschiedenen Seiten, weicht das Boot aus, das ihn von Backbord erhält; haben sie ihn von derselben Seite, weicht das Boot in Luv aus.
  5. Windsurfer und Kitesurfer weichen allen anderen Booten aus (besonderes französisches Reglement).

Die Sturmwarnfeuer

Rund um den See warnen gelbe Blinkfeuer vor Starkwind:

RhythmusBedeutung
≈ 40 Blitze pro MinuteVorsichtsmeldung: Starkwind wahrscheinlich, ohne genaue Zeitangabe.
≈ 90 Blitze pro MinuteSturmwarnung: unmittelbare Gefahr, Schutz aufsuchen.

Auf französischer Seite verbietet die Vorsichtsmeldung Badeboote und das Baden; die Sturmwarnung verbietet jede Schifffahrt ausser Passagierschiffen, und alle suchen den nächsten Schutz auf. Windsurfer und Kites fahren während einer Sturmwarnung nicht.

Die Winde am Genfersee drehen schnell (der Joran zum Beispiel kann bei schönem Wetter plötzlich aufkommen): vor dem Auslaufen den Himmel Richtung Jura und die Prognose beobachten. Der Leitfaden «Winde und Wetter am Genfersee» geht ausführlich darauf ein.

Sicherheit an Bord: Westen, Alkohol, Nacht

  • Westen: In der Schweiz eine zugelassene Rettungsweste pro Person an Bord, ihrem Gewicht angepasst (Kind oder Erwachsener) — Mindestausrüstung gemäss BSV. Auf französischer Seite wird die Weste nachts, bei Nebel, auf ungeschütztem Deck und während einer Vorsichtsmeldung oder Sturmwarnung getragen; im Kajak, auf dem SUP und beim Windsurfen ist sie Pflicht.
  • Alkohol: In Genf gilt man ab 0,5 ‰ im Blut (0,25 mg/l in der Atemluft) als fahrunfähig, wie auf der Strasse; das gilt für jede Person, die an der Führung des Boots beteiligt ist. Auch Drogen machen fahrunfähig.
  • Nachts: vorgeschriebene Lichter eingeschaltet; ein vor Anker liegendes Boot zeigt ein von allen Seiten sichtbares weisses Licht, ausser es ist am Ufer oder an einem dafür vorgesehenen Platz festgemacht.

Ankern

  • Auf französischer Seite ist gelegentliches Ankern über Nacht verboten, und in Wasserpflanzenbeständen wird kein Anker geworfen.
  • In Genf ist das Ankern in den Häfen verboten sowie, unterhalb einer Linie von der Nordmole des Port-Noir (SNG) zur Schiffsstation Perle-du-Lac, in der 300-m-Uferzone.
  • Überall: nie in betonnten Verbotszonen, und ein Ankergeschirr, das stark genug ist, um den Wellen vorbeifahrender Boote standzuhalten.

Badende, Taucher und Sperrzonen

  • Baden verboten in öffentlichen Häfen, vor deren Einfahrten und in der Nähe öffentlicher Schiffsstationen.
  • Auf französischer Seite ist die Schifffahrt in betonnten Badezonen verboten, vom 30. April bis 1. Oktober.
  • Taucher: Auf französischer Seite zeigt eine Flagge sie an, und Boote halten 100 m Abstand.
  • Bojen A1: Sie begrenzen eine Zone, die für jede Schifffahrt gesperrt ist.
  • Jetskis: Laut der Präfektur Haute-Savoie verbietet das seit dem 1. Juni 2019 geltende Genfersee-Reglement Jetskis und andere motorisierte Wasserfahrzeuge.

Mit der Navleman-Karte

Die Karte Navleman zeigt auf dem Handy, auch ohne Netz, was beim Einhalten dieser Regeln hilft: Uferzonen, Sperrzonen und Schutzgebiete, Tiefen, prognostizierter und gemessener Wind, Genfer Sturmwarnfeuer, Häfen und Schiffsstationen. Ihr Segelrouten-Rechner berücksichtigt die Polare des Boots und den Wind.

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Die Artikel dieses Leitfadens

Quellen